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Emil Leander ,..märzkindchen---1.3.08


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Geschrieben von Sigrun Rux   

Wo komme ich her“ oder „Wie kommt das Baby in den Bauch“, das sind Fragen, die schon Kleinkinder beschäftigen. Stehen Sie Ihrem Kind immer Rede und Antwort ! Der einfachste Weg ist in diesem Fall der Beste.

Spätestens wenn ein Geschwisterchen im Anmarsch ist, sind Fragen zu Sexualität, Fortpflanzung und zum Verlauf der Schwangerschaft topaktuell. Aber auch Kindergarten, Schule und Fernsehen regen zur großen Fragestunde an. Mit dem Begriff „Aufklärung“ geht man heute im Allgemeinen schon recht locker um, und das ist laut Meinung von Kinderpsychologen auch gut so. Da wird nicht mehr der Storch oder die vielzitierten Bienchen bemüht, wenn der Nachwuchs die ersten Fragen zum Thema Kinderkriegen stellt. Doch auch wenn das Thema Sexualität in den letzten Jahrzehnten zunehmend enttabuisiert wurde, tun sich nicht alle Eltern leicht mit der Aufklärung der eigenen Sprösslinge.

Hemmungen Unsicherheiten, die Frage nach der richtigen Wortwahl – all das kann Mama oder Papa ganz gehörig ins Schwitzen bringen. Vor allem dann, wenn Kinder unverhofft auf das Thema Sexualität zu sprechen kommen und mitten im Supermarkt oder in der U-Bahn ganz unverblümt die Frage „Mama, was heißt bumsen“, oder „Wieso haben Buben einen Penis und Mädchen nicht“, stellen. Da kann guter Rat schon teuer sein, denn die Kleinen bleiben hartnäckig. Bevor sie nicht eine befriedigende Antwort bekommen, ist das Thema nicht vom Tisch. Erwachsene sollten - auch in prekären Situationen - vor allem ehrlich sein, selbst wenn sie unsicher sind oder die passende Antwort nicht „parat“ haben. Sie müssen ja nicht gleich in „coram publicum“ den Aufklärungsunterricht starten. Machen Sie indessen den Vorschlag, zu Hause in Ruhe darüber zu reden. Aber sagen Sie nie „ Dafür bist du noch zu klein“, denn mit solchen Hinweisen lassen Sie Ihr Kind mit wichtigen Fragen allein.

Kindgerecht antworten

Ab dem zweiten oder dritten Lebensjahr, wenn Kinder ihre Sprache entwickeln, merken sie plötzlich, dass alle Dinge einen Namen haben. Sie zeigen darauf und wollen wissen, wie es heißt. Auch die Geschlechtsorgane werden natürlich nicht ausgelassen. Weshalb, wieso, wozu, das ganze Leben ist für Kinder ein Fragezeichen. Je jünger der wissensdurstige Spross ist, umso kindlicher und fantasievoller sollte aber auch die Antwort sein. Erst mit zunehmendem Alter kann der Nachwuchs den genaueren Ausführungen folgen. Wenn der Vierjährige also anlässlich der Taufe wissen will, wo das Baby eigentlich vorher war, reicht die Antwort: „Es ist im Bauch seiner Mama gewachsen“ normalerweise aus. Wie das Baby aus dem Bauch herausgekommen ist, vor allem aber wie es dort hin kam, das sind Fragen die sich erst später stellen. Erst im Vorschulalter interessieren sich Kinder verstärkt für die Unterschiede zwischen Mann und Frau und wollen etwas über die Zeugung und Geburt erfahren, daher können allmählich Begriffe wie Samen und Ei in die Unterhaltung einfließen.
Kinder bis zum achten Lebensjahr brauchen jedoch kein detailliertes Wissen über die körperlichen Vorgänge beim Sex. Schmusen, Kuscheln und einfach Liebhaben sind Bilder, die sich für diese Alter eigenen, sind sich Familienpsychologen einig. Auch die Definition des Wortes an sich kann sehr hilfreich sein: „Sex stammt aus den Englischen, heißt übersetzt Geschlecht, und in weiterem Sinne Geschlechtsverkehr. Und das Geschlecht erklärt, ob du ein Bub oder ein Mädchen bist“ - und schon ist die erste Hürde geschafft.

Souverän aufklären

Verwenden Sie aber auf alle Fälle Ausdrücke, die dem Vokabular des Kindes angepasst sind. Ansonsten katapultieren Sie sich in ein Fragenmeer und Ihr Kind versteht überhaupt nichts mehr. Kinder erwarten auf ihre Fragen keine langen Vorträge. Sie wollen etwas erfahren, was sie persönlich oder ihre Eltern betrifft. Deshalb muss man ihnen auch nicht alles ausführlich erklären, so der Rat erfahrener Psychologen. Natürlich werden Fragen nach „Orgasmus“ , „Selbstbefriedigung“ oder „Liegt der Mann immer auf der Frau oder geht das auch anders“ nicht so einfach zu beantworten sein, besonders dann, wenn einen das eigene Kind damit konfrontiert. Aber kneifen gilt nicht, einfach locker drauf los.

Am häufigsten begehen Eltern den Fehler, dass sie Sohn oder Tochter bei der ersten Gelegenheit geradezu zwangsbeglücken und mit Erklärungen zuschütten, von denen der Sprössling oft noch gar nicht wissen will, und sie damit eher verwirren als aufklären. Weit günstiger als eine umfassende Lektion ist die Strategie der kleinen Schritte. Dabei wird gerade so viel Information vermittelt wie nötig. Fragt das Kind weiter, wird das nächste Häppchen serviert, wenn nicht, reicht es für heute. Entscheidend für das Gelingen einer solchen „Aufklärungseinheit“ ist weniger die Fülle biologisch richtiger Details als der emotionale Rahmen, in den das Gespräch eingebettet ist. Kinder lieben es, Geschichten über ihre eigene Herkunft zu hören, erzählt zu bekommen, wie kräftig sie in Mamas Bauch gestrampelt haben und wie alle sehnlichst darauf gewartet haben, dass das Baby endlich auf die Welt kommt, aber auch wie lieb sich Papa und Mama gehabt haben, als das Kind entstanden ist.

Wichtig ist das gegenseitige Vertrauen. Eltern, die sich vor Fragen, wie Sex, Religion, Rassen oder Drogen drücken, machen es ihren Kindern nicht nur schwerer, solche Themen anzusprechen, Sie erziehen Ihre Kinder so unbewusst zur Heimlichtuerei. Gehen Mama und Papa hingegen offen und frei auf kritische Fragen ein, stärken sie auch das Selbstbewusstsein beim Nachwuchs. Aufgeklärte Kinder halten Sex und Liebe für eine ganz normale Sache, die einfach zum Leben dazu gehört. Zahlreiche Untersuchungen bestätigen, dass vernünftige Sexualaufklärung keinesfalls zu unverantwortlichem Verhalten anregt, sondern genau das Gegenteil bewirkt.

Ganz normal darüber reden

Manche Eltern sind unsicher, mit welchen Worten sie die Vorgänge rund um die Zeugung und Geburt beschreiben sollen. In der Familiensprache zu bleiben, ist auf jeden Fall richtig, umgangssprachliche Bezeichnungen wie „Spatzi“ oder „Pipi“ sind dem Kind vertraut und schaffen ein Stück Normalität. Wer möchte, kann die Fachausdrücke hinzufügen („Man kann dazu auch Penis oder Scheide sagen“) unbedingt nötig ist es bei kleinen Kindern aber nicht. Erst ab dem Schulalter sollten die Sprösslinge die korrekte Bezeichnung kennen, sonst stehen sie bei Gleichaltrigen unter Umständen dumm da. Reden wie einem der Schnabel gewachsen ist, ist also eine gute Leitlinie für ein Aufklärungsgespräch. Wer hingegen mit medizinischen Fachausdrücken um sich wirft, plötzlich Hochdeutsch statt Dialekt spricht oder eine feierlich-moralische Atmosphäre erzeugt schafft Distanz. Und daran kann es liegen, dass weiterführende Fragen in Folge ausbleiben.

Bei der Reflexion an eigene Erfahrungen beim Thema Aufklärung stellt sich oft heraus, dass die Rolle der Eltern gar nicht so wichtig ist, wie vielfach angenommen wird. So haben viele Kinder, die am Land aufgewachsen sind, ihre Schlussfolgerungen aus dem Verhalten der Tiere gezogen, vielleicht geht man aber im ländlichen Bereich auch im allgemeinen lockerer an das Thema Sex heran. Oft bilden sich Kinder aber auch ihren eigenen Reim auf verschiedene Dinge, und „Mitaufklärer“, sei es in Kindergarten, Schule, Hort oder durch die Medien, gibt es jede Menge.

Zeigt ein Kind, warum auch immer, kaum Interesse, können Eltern Fragen ruhig provozieren, beziehungsweise das Thema von sich aus zur Sprache bringen. Hilfreich ist in diesem Fall das gemeinsame Anschauen von Büchern.

Aufklärung so nebenbei

Auch unsichere Eltern tun sich leichter, wenn sie vorlesen statt selbst erklären, und können auf diese Art einen Grundstock an Information vermitteln. Am besten aber läuft Aufklärung nebenbei. So wie die Eltern den Wechsel der Jahreszeiten erklären oder erzählen, wie Opa und Oma früher gelebt haben, so selbstverständlich sollten auch Fragen zur Sexualität abgehandelt werden. Wenn das Kind eine Aufklärungslektion gar nicht als solche wahrnimmt – dann ist es auf jeden Fall perfekt gelungen.

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