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Überzeugte Gegner meinen, dass der Schnuller typisch für die moderne, hektische Gesellschaft sei und lediglich als Erleichterung für „faule“ Eltern diene, die den Gummistöpsel jedes Mal einsetzen, um das Baby schneller zu beruhigen.
So einfach ist es mit Sicherheit nicht, denn die Erfindung des Schnullers ist vermutlich genauso alt wie die Menschen selbst, zumindest aber reichen die Erfahrungen bis ins alte Ägypten zurück.
Der Nuckel unserer Tage ist aus Latex und für die meisten leidgeprüften Eltern aus den ersten Lebensmonaten eines kleinen Erdenbürgers nicht wegzudenken. Sogar viele stillende Mütter entscheiden sich bewusst und guten Gewissens für die Variante Schnuller, denn auch wenn sie ihrem Baby die Brust geben, möchten die wenigsten als ständig verfügbarer Nuckelapparat herumlaufen. Doch so beruhigend für die Anwesenden der Anblick eines friedlich dahinnuckelnden Babys auch sein mag, die Eltern sollten sich über die möglichen Folgen des Dauernuckelns im Klaren sein.
Viele Zahnärzte warnen
Eine besonders strikte Anti-Schnuller-Haltung ist vor allem unter Zahnärzten zu finden, denn sie sind täglich mit Zahnfehlstellungen und kiefer – und gesichtsorthopädischen Problemen konfrontiert.
Mittlerweile ist aber auch längst bekannt, dass nicht nur das Nuckeln am Latexpropfen, sondern auch das Daumenlutschen ein Nach-Vorne-Schieben des Oberkiefers bewirkt, was wiederum den Unterkiefer im Wachstum hemmt, und so die typischen Zahnfehlstellungen bewirkt. Kieferorthopäden vertreten allerdings die Meinung, dass Daumenlutschen viel gefährlicher sei als der Schnuller, da der Daumen keinesfalls kiefergerecht geformt ist, und durch häufiges Daumenlutschen viel leichter schwer korrigierbare Fehlstellungen im Zahn – und Kieferbereich entstehen.
“Schnuller sind auf jeden Fall zu bevorzugen, denn sie sind weicher und kiefergerecht geformt“, sagt Prim. Dr. Doris Haberler vom Allgemeinen Krankenhaus Wien, „Der Schaden, der durch einen kiefergerechten Schnuller angerichtet werden kann, ist minimal.“ Es kommt natürlich darauf an, wie lange die Kinder den Schnuller verwenden.
Wann ist der Zeitpunkt zum Abgewöhnen?
Optimal wäre es, ihn dem Kind ab dem zweiten Lebensjahr langsam zu entziehen und ihn bald nur mehr als Einschlafhilfe zu geben.
Als Mutter sieht man ja, wie sehr ein Kind den Schnuller braucht und wann der richtige Zeitpunkt fürs Abgewöhnen gekommen ist.
Typisch bei Kindern, die den Schnuller länger als gewöhnlich haben, ist der sogenannte lutschoffene Biss, das heißt der Kontakt zwischen Ober – und Unterkiefer fehlt, weil dort der Platz für den Schnuller war. Auch vor möglichen Sprachstörungen wird gewarnt, denn durch das lange Lutschen kommt es häufig zu einer bedenklichen Zungenfehlstellung, die vor allem zu S- und Z–Fehlern führt. Bis zum fünften Lebensjahr bilden sich diese Fehlstellungen aber normalerweise wieder zurück. Danach wird es aber schon problematischer, wenn Zahlfehlstellungen aufgetreten sind.
Worauf Sie beim Kauf eines Schnullers achten sollten:
Er sollte auf jeden Fall kiefergerecht geformt sein. Ein wesentliches Erkennungsmerkmal eines „guten“ Schnullers ist ein abgeflachter weicher Saugteil an beiden Seiten und eine schmale Auflage für die Kieferleisten und Lippen. Bei den bewährten Markenschnullern gibt es meist eine Größeneinteilung in drei Stufen (1-6 Monate, 6-18 Monate, ab 18 Monate)
Abhängigkeit gering halten
Viele Psychologen sind übrigens dem Schnuller gegenüber sehr positiv eingestellt. „Saugen ist ein Naturinstinkt“, sagt die Psychologin Dr. Christine Fauland, „Die Kleinen dürfen aber nur dann den Schnuller bekommen, wenn sie das Bedürfnis zu saugen haben. Dadurch wird die Abhängigkeit nicht zu groß“.
Zur Beruhigung aller besorgten Eltern:
Irgendwann kommt der Tag, an dem jedes Kind den Schnuller weglegt, und ähnlich verhält es sich auch mit dem Daumenlutschen. Alles nur eine Frage von Zeit und Geduld.
Sigrun Rux
Journalistin mit Schwerpunkt Medizin und Psychologie
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