Man sucht die Schuld zuerst bei sich und hat dadurch überhaupt keinen Sinn darüber nachzudenken, welche Möglichkeiten habe ich aus dieser ganzen Situation das Beste zu machen. Nicht nur für den Betroffenen selber, sondern überwiegend sollte dieser Gedanke wegen des Kindes sein. Wenn dann noch die ersten Schreiben vom Gericht kommen, bricht die Welt ein. Man fühlt sich alleine gelassen, man fühlt sich schuldig, auch wenn man sich nichts vorzuwerfen hat, man fühlt sich irgendwann auch leer und ausgebrannt.
Zu allererst wird man selber zu Mitteln greifen um entgegen zu feuern. Nutzen diese auch nichts, dann versucht man es auf friedliche Art und Weise. Und irgendwann, wenn dann der Verstand auch wieder da ist, sieht man die Situation als liebender Elternteil. Man möchte nicht dem Kind schaden, also wird man klein beigeben in der Hoffnung, dass eines Tages das Kind nach den Gründen fragen wird, weshalb alles so kam wie es kam. Aber auch, weil man es leid ist etwas auszufechten, gegen das man nicht wirklich Chancen hat. Ein Kind zwingen zum „nach Hause" kommen, wird kaum Früchte tragen, denn je mehr man Druck ausübt umso mehr entfernt sich ein Kind. Kinder sind da weitaus empfindlicher, als die Erwachsenen, weil sie noch sensibler sind.
Erfahrungen austauschen auf, dazu beginnt man früher oder später, Plattformen. Vereine und/oder Kontaktmöglichkeiten anzusprechen. Und je mehr und intensiver man sucht, wird man fündig. Elternteile können die Erfahrung machen, dass sie nicht alleine sind. Das es genug Mütter/Väter gibt, denen aus den verschiedensten Situationen, das Selbe passiert ist. Man kommt auch dahinter, dass man nichts falsch gemacht hat. Das man einfach, nach seinem besten Wissen und Gewissen, nach seinen Gefühlen all die vergangenen Jahre für das Kind das Beste tat, das man tun konnte. (Dies bezieht sich auf die Familien, welche gewaltfrei lebten und auch sonst keine anderen Hintergründe negativ sind). Die Schuld sucht man nicht mehr bei sich, sucht sie auch nicht bei wem Anderen.
Das Einzige das man in Frage stellt, weshalb der Elternteil, der den Machtkampf begann, nicht so fair war, wie man es selber war. Weshalb der Elternteil mit aller „Gewalt" das Kind haben will. Doch diese Frage wird nicht beantwortet. Wie auch, weil man die Beweggründe nicht kennt und nie erfahren wird. Weil derjenige/diejenige diese vielleicht nicht einmal selber weiß, sondern einfach nach seinem besten Wissen und Gewissen gehandelt hat, ohne viel darüber nachzudenken, was wirklich gut für das Kind sein könnte. Oder aus gekränkten Stolz, weil das Kind all die vergangenen Jahre nicht zum anderen Elternteil wollte. Oder manchmal sogar aus finanziellen Gründen.
Als eine der Mütter, die von einer solchen Situation betroffen ist und getroffen wurde, weiß ich wie man sich fühlt. Ich weiß auch nicht wirklich, wie hoch die Dunkelziffer dieser betroffenen Mütter wirklich ist, da ich gut nachvollziehen kann, dass nicht alle öffentlich darüber reden werden. Die Gründe hierfür sind nicht viele, aber einer der Wichtigsten, als Mutter schämt man sich. Man glaubt es wird mit dem Finger auf einen gezeigt, da das Kind „weg genommen" wurde. Das Umfeld merkt die Veränderung und da passiert es nun mal das Geschichten erfunden werden. Man trägt ja auch nicht ständig ein Schild mit den Gründen herum. Man schreibt auch keine Informationen für die Nachbarn oder hängt Informationen in den Geschäften auf. Das Umfeld kennt nicht die wirklichen Hintergründe, und doch „fürchtet" man sich als betroffener Elternteil mehr vor den Äußerungen und Gerüchten, als vor allem andere. Und dies kann dazu bewegen, dass diese Menschen wohl eher schweigen, als zu sagen „Eigentlich ist mir egal was die Anderen denken und sagen". Die Menschen, welche in diese ganze Situation mit einbezogen wurden, die begleitet haben (meistens gute Freunde oder/und Familie), denken so oder so anders.
Früher hatte ich mit Vätern, die ihre Kids nicht sehen durften Mitleid. Selber war ich immer eine Fürsprecherin dafür, dass diese Mütter, die ihre Kinder versuchen fern zu halten, nichts Gutes tun. Wenn man den Ex-Partner „hasst" kann man dies nicht am Rücken des Kindes austragen. Und sollte man auch nicht. Es gibt genug Väter, die „bluten" mussten, denen wirklich ihre Existenz genommen wurde und das verstand ich nie. Denn schließlich entstanden viele Kinder in einer Beziehung, in der man voreinander Respekt hatte.
Heute habe ich kein Mitleid, sondern empfinde jene Väter, die „raunzen" eher bemitleidenswert, weil sie nicht versuchen für ihre Rechte sich einzusetzen. Und wenn sie es dann machen, dann manchmal mit den falschen Mitteln. Es kommt zum Eklat - es kommt zu gegenseitiger Respektlosigkeit und es kommt dazu, dass auch das Kind keinerlei Respekt mehr haben wird. Man schlägt im Endeffekt mit den gleichen Waffen zurück, mit denen man fast geschlagen wurde. Im schlimmsten Fall kann es nur passieren, wenn das Kind alt genug ist, das es einfach geht und zu niemanden mehr Kontakt hat. Ob der Preis nicht zu hoch ist?
Die Mütter, die derartiges trifft, aber auch den Vätern, denen kann ich nur persönlich empfehlen sich nicht zu schämen, weil das KInd mal etwas testet und weil der Test unter Umständen in einen Kampf ausarten kann.(Es kommt auch immer auf die Hintergründe an, daher bedenken Sie, liebe LeserInnen, hier beziehen wir uns auf Familien, die frei von jeglicher Gewalt oder Suchtformen ist.)
Man darf traurig sein, auch wütend und zornig. Aber man muss für sich selber versuchen einen Weg zu finden. In Form von Gleichgesinnten „suchen" in Form von Beratungen aufsuchen und annehmen. Es gibt wirklich viele Institutionen, welche diese anbieten. Einzige man muss für sich selber das Optimale finden, mit dem man zu recht kommt und das vor allem aber wieder den inneren Frieden her stellt.
Manchmal hat man Glück, so wie ich es hatte, und die erste Institution gibt einem das beruhigende Gefühl und manchmal sucht man und sucht man. Doch je mehr man fragt, je mehr man darüber auch spricht umso mehr Möglichkeiten werden angeboten.
Als ich nun auf der Suche nach Antworten war, fand ich „Österreichisches Familienrecht Foren für verschiedene Gebiete des österreichischen Rechts". Nicht nur, dass man als betroffener Elternteil, egal ob Mutter oder Vater, viele Beiträge findet, in denen es um ähnliche Probleme geht, sondern man findet auch und erhält auch informative Links bzw. Beratungsstellen.
Ich bat den Inhaber dieses Forum für die Webfamilie.at einige Worte zu verfassen, welche Beweggründe er hatte, ein derartiges Forum in die Welt des www zu betreiben. Lesen Sie diese nachstehend.
Ihre Redaktion der Webfamilie.at
Maria Kerstner
Ein paar Sätze von Dr.Günter Tews
Der Grund meines Engagements auf dem Gebiet des Familienrechts war persönliche Betroffenheit. Die massiven Folgen der Nachscheidungssituation für meine Kinder haben mich bewogen, meinen Beruf gänzlich umzustellen und mich ganz dem Familienrecht zu verschreiben (mit Haut und Haaren, wie ich später feststellen musste auch mit der Seele und zu viel Substanz).
Ich konnte auch feststellen, dass gerade auch diesem Gebiet Information sehr viel bewirkt: Vermeidung von Ängsten, die zu Aggressionen führen; Vermeidung von Verfahren die zur Konflikteskalation beitragen; Reste von Verständnis für den Ex-Partner (jeder Rest in diesem Sinn hilft den betroffenen Kindern).
Daher hat der Verein Dialog für Kinder Österreich dieses Forum installiert um auch Meinungsaustausch zwischen Betroffenen zu fördern.
Dr.Günter Tews
Forum: www.austrianlaw.at/forum3
Homepage: http://www.tews.at/
|