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Unlängst gab es einen Bericht im ZDF über das Medikament Strattera, welches mitunter bei ADSH eingesetzt werden kann bzw. wird.
Es wurde hauptsächlich auf die Nebenwirkungen eingegangen, welche bei jedem Einsatz jeglicher Tabletten, Säfte etc., eintreten könnten. Wichtig ist immer eines, Eltern sollen und müssen fragen, auch wenn man als Elternteil manchmal denkt "Ich kann doch nicht noch weiter nerven".
Auch Ärzte denken nicht immer an alles. Wie auch. So viele kleine Patienten natürlich mit eigener Persönlichkeit. Oftmals werden von den Eltern Kleinigkeiten vergessen zu erfragen, weil man ohnedies schon nervös ist, mit einer Situation umgehen lernen muss und für manche ja doch von heute auf morgen das Leben eine Änderung einnimmt.
Am Besten ist, ein kleiner Tipp einer Mama, zu Hause in aller Ruhe überlegen welche Fragen wirklich absolut wichtig FÜR SIE sind und diese aufschreiben. Gerade bei den Nebenwirkungen, welche möglich sein können, wie man vorbeugen kann. Magen-Darmprobleme, Schlaflosigkeit, Unruhen, Appetitlosigkeit, Stimmungsschwankungen.
So kann man versuchen den vollendeten Tatsachen, die eventuell negativ sein könnten, entgegen zu treten. Gerade weil die heutige Medizin so fortgeschritten ist und ständig, zum Wohle der Kinder und Erwachsenen, verbessert wird.
Das Wichtigste ist, sobald Ihnen etwas auffällt, mit dem Sie in keinster Weise klar kommen, scheuen Sie sich nicht und fragen Sie Ihren betreuenden Arzt. Es ist auch nichts schlimmes daran, wenn Sie eine zweite Meinung einholen. Suchen Sie einen Arzt, der entweder von Ihrem Kinderarzt empfohlen wurde oder Ihrem Allgemeinmediziner bzw. durchforsten Sie Foren. Rein nach dem Prinzip Telefonbuch könnte nicht wirklich funktionieren.
Nachstehender Artikel wurde für die Webfamilie.at von Dr.Michael Freilinger verfasst. Wir bedanken uns herzlich für Ihre Zeit.
Autor: Dr. Michael Freilinger, Kinderarzt und Kinderneurologe, Wien 1040
Atomoxetin (Noradrenalinwiederaufnahmehemmer)
Bis vor wenigen Jahren standen in Österreich lediglich die Stimulanzien als medikamentöse Option der multimodalen Therapie bei ADHS zur Verfügung. In dieser Gruppe werden vereinzalt noch die Amphetamine (meist als Amphetamin-Saft bei jüngeren Kindern) und Methylphenidat (MPH) als kurzwirksames Ritalin® und langwirksames Concerta® eingesetzt.
Seit 3 Jahren steht nun auch in Österreich der selektive Noradrenalinwiederaufnahmehemmer Atomoxetin (Strattera®) für Kinder ab 6 Jahren und Jugendliche mit ADHS zur Verfügung.
Es gibt bereits großen Erfahrungsschatz aus den USA und Großbritannien 2004, wo die Substanz, die nicht zu den Stimulanzien zählt und daher auch nicht auf einem Suchtgiftrezept verordnet werden muss, insgesamt gut vertragen und reduzierte bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen mit ADHS die Impulsivität und motorische Unruhe und verbesserte die Aufmerksamkeitsleistung in einem MPH sehr naheliegenden Maß.
Laut internationalen Kriterien wird der Einsatz von Atomoxetin als Mittel der ersten Wahl nur dann empfohlen, wenn Stimulanzien abgelehnt werden, Tics oder Angststörungen assoziiert sind oder eine kontinuierliche 24-h-Wirkung dringend erforderlich ist.
Es gibt zwei wesentliche Unterschiede zu den bekannten Wirkungen, Nebenwirkungen und Nachteilen der Stimulanzien: Atomoxetin wirkt über eine Hemmung des Noradrenalintransporters im Gehirn (die Stimulanzein primär von Dopamin), Es wirkt allerdings nicht wie MPH nicht sofort, sondern der wirksame Spiegel baut sich über eine Behandlungsdauer von 6-8 Wochen auf; dann wirkt die Substanz allerdings kontinuierlich über 24 Stunden. Das heißt aber auch, dass die Symptomverbesserung nicht sofort auftritt, sondern erst nach 6-8 Wochen beurteilt werden kann. Bei Therapiebeginn wird in der 1. Woche mit 0.5 mg/kg/d in einer Einzeldosis morgens begonnen, ab er 2. Woche 1 mg/kg/d, die Zieldosis beträgt 1.2-1.4 m/kg/d, Dosen bis 1.8 mg/kg/d wurden als unbedenklich gesehen. Wird von MPH auf Atomoxetin umgestellt, wird empfohlen in der ersten Woche noch die halbe MPH-Dosis beizubehalten.
Es wird generell gut vertragen, das Spektrum unerwünschter Wirkungen von Atomoxetin beinhaltet Appetitmangel, Kopfschmerzen und Bauchschmerzen (ähnlich dem der Psychostimulanzien); bei Atomoxetin ist her nur anfänglich damit zu rechnen. Krampfanfälle, Depressionen und Leberschädigung wurden nur in Einzelfällen berichtet und übersteigen die Wahrscheinlichkeit bei anderen Substanzen nicht.
Zur Nachsorge bei medikamentöser Therapie mit Atomoxetin ist keinerlei spezielle Blutuntersuchung notwendig; wie auch bei MPH ist auf Gesundheitszustand und Nebenwirkungen, Symptomverlauf, und körperliche Symptome (Blutdruck, Gewicht, Größe) zu achten und im Bedarfsfall weiter diagnostische Maßnahmen anzuschließen.
Die aktuell in einem Zeitungsbericht unter dem Titel „95 Todesfälle durch Lernpille" aufgestellte Behauptung geht auf eine unkritisch übernommene Presseaussendung einer einschlägig bekannten Vereinigung zurück, der es an jeglicher sachlicher Grundlage fehlt. Richtig ist, dass es in Deutschland und Österreich keinen einzigen Todesfall eines Kindes gibt, der in ursächlichem Zusammenhang mit Strattera® steht.
Dr. Michael Freilinger
FA f. Kinder- und Jugendheilkunde
Additiv-FA f. Kinderneurologie
http://www.schlickgasse4.at/
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