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„Als Hebamme gehst Du das Risiko ein, daß dein Herz bricht – aber das macht nichts, denn auf diese Weise kann viel Liebe herausströmen. Du wirst dadurch eine bessere Hebamme“
(Stephen Gaskin)
Ina May Gaskin´s Lebensgeschichte ist zu bewegt, um sie hier im Detail wiederzugeben, doch um zu verstehen, wo die Wurzeln ihres Schaffens liegen, muß man wissen, dass sie 1970 gemeinsam mit ihrem Mann Stephen Gaskin die „Tennessee-Farm“ gegründet hat, wo zeitweise bis zu 1500 Menschen lebten. Heute sind es immer noch 200 ständige Bewohner. Als Selbstversorger mußten sie auch die Geburtshilfe selbst organisieren – die Geburtsstunde der Farm-Hebammen, Inzwischen sind über 2300 Babys (1998) in deren Begleitung auf die Welt gekommen.
Ina May`s Hebammenpraxis
Die Statistik von Ina May´s Hebammenpraxis kann sich sehen lassen, wie eine rückblickende, vergleichende Studie des Journal of the American Public Health Association zeigte:
1992 lag die Nationale Sectiorate bei 22%, die der Farmhebammen bei 1.8 %.
Während die Vergleichsfrauen im an der Untersuchung beteiligten Krankenhaus zu 26 % den Einsatz von Forceps , Vacuumextraktion oder Kaiserschnitt erlebten, waren nur bei 2% der „Farmhebammen“- betreuten Frauen medizinische Eingriffe nötig.
Das Gaskin Maneuver
Weitere Anerkennung bekam Ina May Gaskin durch die Entwicklung des „Gaskin Maneuver“, einer revolutionären Methode bei Schulterdystokie. In Zusammenarbeit mit Dr. Joe Bruner, einem Professor an der Vanderbilt University College of Medicine veröffentlichte Ina May ihre Arbeit im Journal of Reproductive Medicine, Mai 1998 , und präsentierte sie auf verschiedenen medizinischen Kongressen.
Gesetzmäßigkeiten der Geburt
Wenn Ina May von Gesetzmäßigkeiten der Geburt spricht, meint sie damit nicht vorrangig die physiologischen Gesetze, gemäß denen das Kind den Weg durch den Geburtskanal findet, sondern die energetischen Prinzipien, die das Geschehen begünstigen oder verzögern können.
Sie sind genau so konstant wie die Gesetze der Physik und der Astronomie und ihr Einfluß auf den Geburtsverlauf darf nicht unterschätzt werden.
„Die Hebamme und der Arzt, die bei einer Geburt dabei sind, müssen beweglich genug sein um herauszufinden, wie diese Gesetze wirken und lernen, in ihrem Rahmen zu arbeiten. Schwangere und gebärende Frauen sind Elementarkräfte, ebenso wie Schwerkraft, Gewitter, Erdbeben und Orkane Elementarkräfte sind. Um zu verstehen, welchen Gesetzen die sie durchströmende Energie folgt, muß man sie wegen ihrer Großartigkeit lieben und respektieren, während man sie gleichzeitig mit der Exaktheit eines echten Wissenschaftlers studiert. Hebammen und Geburtshelfer müssen verstehen, wie die Geburtsenergie fließt – ohne ein solches Verständnis wären sie wie ein Physiker, der keine Ahnung von der Schwerkraft hat.“
(Ina May in ihrem zweiten auf deutsch erhältlichen Buch „Praktische Hebammen“)
Wegbereiterinnen für ein neues Verständnis der natürlichen Geburt
Als dieses Buch 1978 in Amerika erschien, strebte die technisierte, manipulative Geburtshilfe auch in Europa ihrem Höhepunkt entgegen. Das Verständnis der Geburt als unkalkulierbares, potentiell gefährliches Ereignis, dem man mit zunehmender Technisierung „Herr“ werden muß, stand in krassem Gegensatz zur Geburt als Sakrament, dem frau mit Liebe und Hingabe begegnet. Frauen wie Ina May Gaskin waren es, die den Weg bereiteten für neues Verständnis der natürlichen Geburt.
Das Buch „Spirituelle Hebammen“ wurde über 500.000 mal verkauft.
„Ina May Gaskin´s Beitrag zur Kultur des Gebärens in den Vereinigten Staaten war enorm“ sagt Dr. Robbie Davis-Floyd, Forscher der Abteilung für Anthropologie an der Universität von Texas und Autor des Buches "Birth as an American Rite of Passage."
„Ich habe seit Jahren gewußt, daß sie die berühmteste Hebamme Nordamerikas ist, nun kann ich ohne zögern sagen, dass die auch die berühmteste Hebamme der Welt ist." Für die USA zumindest gilt, daß die spirituelle Hebammenbewegung rund um Ina May ein nicht wegzudenkender Meilenstein in der „Natural birth“ Bewegung war.
Abgesehen von ihrem großen Wissen besticht Ina May durch unkomplizierte Offenheit. Freimütig berichtet sie über ihre persönlichen Erfahrungen, die zu neuen Erkenntnissen führten. Eine Geschichte, die ich besonders mag, ist sinngemäß die:
Als 1974 in Guatemala die Erde bebte, und viele tausend Menschen ohne Heim und Wasser waren, setzen sich die Männer der Tennesseefarm in ihre Schulbusse und fuhren hin, um zu helfen. Einige Wochen später fehlten ihnen ihre Frauen so sehr (und wohl auch umgekehrt), dass sich diese in einen Bus setzten und nachreisten. Einige Monate später wurde auch Ina May, die Hebamme der Farm, gebraucht und so kam sie ins Gespräch mit guatemaltekischen Hebammen.
Ihr fiel der besonderer Umgang mit schwierigen Geburten, besonders der Schulterdystokie, einer gefürchteten Geburtskomplikation auf. Sie fragte, woher die Hebammen ihr Wissen beziehen und die antworteten: Von unseren Vorfahrinnen, und die haben es von Gott.
Wieder zu Hause kam sie in die Lage, ihr neu erworbenes Wissen einzusetzen. Als sie immer wieder den Erfolg dieser Methode erlebte, begann sie, zu publizieren und so bekam die Methode den Namen „Gaskin-Manöver“ und wird in vielen Krankenhäusern Amerikas und Europas angewendet.
Ach ja: Ein weiteres Ergebnis dieser kleinen Anekdote, das Ina May nicht erwähnte: Die Männer der Tennesseefarm bauten in Guatemala freiwillig viele Kilometer Wasserleitungen und bauten hunderte Häuser aus den Materialien, die ihnen vor Ort zur Verfügung standen. Das hatten sie einige Jahre zuvor auf ihrem Grundstück gelernt und dieses Wissen teilten sie mit den Opfern der Erdbebenkatastrophe.
Daraus ging „Plenty International“ hervor, eine Hilfsorganisation, die seit damals überall auf der Welt benachteiligten Menschen Hilfe zur Selbsthilfe gibt Dafür erhielt Stephen Gaskin, Plenty-Gründer und Ina Mays Ehemann 1982 den Alternativen Nobelpreis.
Heute ist Ina May Gaskin Präsidentin von MANA, der Midwife Alliance of North America, betreut immer noch Geburten auf der Tenesseefarm und hält Vorträge überall auf der Welt.
Angelika Rodler
Einen weiteren Artikel zu Ina May können Sie auch auf Geburtskanal.de lesen.
Im EKiZ-Graz (
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) gibt es die Videos von Ina May Gaskin zu kaufen:
zu sehen sind natürliche Geburten bei "Beckenendlage", "Zwillingen" und "Schulterdystokie".
Als zweiter Teil ist auf allen Videos die Entstehungsgeschichte der "Spirituellen Hebammen" rund um Ina May Gaskin, und eine Reihe berührender Geburten zu sehen.
Jedes der drei Videos kostet Euro 35,--.
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