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Geschrieben von Dr.med.Peter Voitl
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DURCHFALLERKRANKUNGEN
Allgemeines
Die Verdauung beginnt bereits in der Mundhöhle, wo die Speisen zerkleinert und mit den Enzymen des Speichels vermischt werden. Vom Mund gelangt die Nahrung in den Magen, wo sie mit dem Magensaft gemischt und in den Zwölffingerdarm weitergeleitet wird. Im Zwölffingerdarm werden die Nahrungsbestandteile durch die Galle und die Enzyme der Bauchspeicheldrüse löslich gemacht. Alle Nahrungsbestandteile wie Eiweiß, Fett und Kohlehydrate werden durch die Schleimhaut des Dünndarms in den Organismus aufgenommen.
Durch die Bewegungen des Darmes (Peristaltik) wird der Darminhalt schließlich zum Dickdarm transportiert. Hier wird Flüssigkeit entzogen und letztendlich der Stuhl geformt.
In manchen Fällen kann diese Reihenfolge der Verdauung gestört sein. So kann die Verdauung an sich oder die Aufnahme oder Spaltung der Nahrungsbestandteile nicht funktionieren. Durchfall ist keine Erkrankung für sich, sondern üblicherweise ein Symptom einer anderen auslösenden Ursache.
Die Ursachen für Durchfallserkrankungen sind vielfältig: Infektionen des Darms durch Viren, Bakterien oder Einzeller, eine Schädigung der Darmzellen durch Gifte (Toxine), die von den Erregern gebildet werden, chronisch entzündliche Darmerkrankungen, aber auch systemische Erkrankungen wie Schilddrüsenerkrankungen oder Allergien. Behandlung mit bestimmten Medikamenten wie Antibiotika und psychische Ursachen wie Stress können sich durch Durchfall äußern.
Die häufigste Ursache für Durchfall im Kindesalter sind Darminfektionen. Gefährlich ist in diesen Fällen der manchmal erhebliche Verlust an Wasser und Elektrolyten, der unbedingt ersetzt werden muss.
Darminfektionen
Bei allen Darminfektionen ist das Hauptsymptom der Durchfall. Er kann von Erbrechen oder Fieber begleitet sein. Beim Durchfall ist der Anteil des Wassers, das dem Körper entzogen wird, im Stuhl deutlich erhöht und kann zu einem Wasserverlust führen.
Die akute Magen-Darm-Infektion beginnt mit Bauchschmerzen, Appetitlosigkeit, Erbrechen, teilweise Fieber und breiigen bis wässrigen Durchfällen, manchmal mit Blut oder Schleim. Je nach Ursache können auch andere Beschwerden auftreten, z. B.: Übelkeit, Schwindel, Kopfschmerzen.
In der dritten Welt stellen Magen-Darm-Infektionen eine wesentliche Ursache der Kindersterblichkeit dar. Diese Durchfallserkrankungen werden durch Bakterien, Viren oder Amöben verursacht.
Häufige Erreger
Amöbenruhr
Die Amöbenruhr ist eine Infektion mit dem Darmparasiten Entamöba histolytica. Der Patient mit Amöbenruhr ist müde und leidet unter Bauchschmerzen und Übelkeit. 90% der Infektionen laufen ohne Symptome ab.
Bei der symptomatischen Form kommt es nach zwei Wochen Inkubationszeit zu Durchfällen, die Blutbeimengungen enthalten können. Bauchschmerzen und Krämpfe treten fast immer auf. Es werden immer Amöbenzysten mit dem Stuhlgang ausgeschieden. Diese sind für die Diagnosestellung wesentlich.
Mangelhafte hygienische Zustände begünstigen die Verbreitung. Es werden zwei Formen der Amöbenruhr unterschieden: Eine meist symptomlose häufige Minutaform, die nur den Darm betrifft und eine Magnaform, bei der der Parasit auch andere Organe befällt. Symptomlose Überträger sind häufig. Beide Formen der Amöbenruhr werden mit Antibiotika behandelt. Auch symptomlose Träger sollten behandelt werden, um einer weiteren Übertragung der Krankheit vorzubeugen. Bei Durchfällen sollten Sie zusätzlich auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr achten.
Lamblias
Lamblien sind einzellige Lebewesen. Diese Erreger nisten sich vorwiegend im Dünndarm des Menschen ein und verursachen übelriechende Durchfälle, die auch Blutbeimischungen enthalten können. Damit verbunden ist immer eine verminderte Aufnahme von wichtigen Nährstoffen, Vitaminen und Mineralien.
Bakterielle Ruhr
Die Infektion mit Shigellen geschieht durch verunreinigtes Trinkwasser oder Nahrungsmittel. Zuerst treten starkes Fieber und erhebliche, krampfartige Bauchschmerzen auf, dann häufiges Erbrechen und Durchfall. Der wässrige Stuhl ist meist blutig und schleimig. Als wichtigste Infektionsgebiete erwiesen sich Ägypten und Tunesien.
Campylobacter
Infektion mit Campylobacter werden durch infiziertes Trinkwasser oder Nahrungsmittel übertragen. Symptome sind Schüttelfrost und Fieber, Bauchschmerzen und sehr häufige (bis zu 20 mal am Tag) Durchfälle und Erbrechen.
Die Erreger sind relativ umweltresistent. Eine Übertragung - direkt auf fäkal-oralem Wege oder indirekt über keimhaltige Nahrung (Fleisch von Geflügel u. a. Haustieren, Rohmilch) oder Trinkwasser - ist durch eine vergleichsweise geringe Erregerzahl möglich.
Cholera
Eine Infektion mit Cholerabakterien passiert durch verunreinigtes Trinkwasser oder Nahrungsmittel. Neben wässrigem Stuhl kommt es auch zu dauerndem Erbrechen. Der Patient hat Untertemperatur und kann die gefüllte Harnblase nur schwer spontan entleeren.
Bei Cholera sollte unbedingt beachtet werden, dass auch nach erfolgreicher Behandlung die Erreger noch drei Monate lang ausgeschieden werden können. Nachuntersuchungen sind erforderlich.
Colibakterien
Infektion mit Colibakterien bewirken leichten Durchfall, der gelegentlich von Erbrechen begleitet wird und häufig nicht länger als zwei Tage dauert. Die Kolibakterien gelangen durch Unsauberkeit nach der Toilette oder entsprechende Abwässer auf Nahrungsmittel und ins Trinkwasser. Über 40% der auf Reisen erworbenen Durchfälle werden einem speziellen Colibakterium zugeschrieben, der sogenannten „enterotoxischen Escherichia coli" (ETEC), die auch als „Montezumas Rache" bekannt ist.
Rotavirus-Infektionen
Rotavirus-Infektionen sind die häufigste Ursache einer virusbedingten Durchfallserkrankung im Kleinkindalter. Kinder mit einer Rotavirus-Infektion erkranken durchschnittlich schwerer als Kinder mit einer Durchfallserkrankung anderer Ursache (die Rate der Krankenhausaufenthalte ist höher).
Vor allem bei kleinen Kindern können Rotaviren zu schweren Durchfällen führen. Mit zunehmendem Lebensalter wird die Schwere der Infektionen durch Rotaviren geringer. Es konnte festgestellt werden, dass eine solche Infektion bevorzugt dann auftritt, wenn das Immunsystem des Darmes noch nicht ausgebildet und gestärkt ist, wie dies bei Kindern und Säuglingen der Fall sein kann.
Rotaviren sind auch bei Haustieren verbreitet, die Übertragung erfolgt aber überwiegend von Mensch zu Mensch oder durch Wasser.
Norwalk-like-Viren (SRSV, small round structured viruses)
Weltweit werden SRSV als häufigste Erreger virusbedingter Gastroenteritiden bei Erwachsenen angesehen. Die meist plötzlich einsetzenden Krankheitserscheinungen umfassen Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen, Durchfall und allgemeines Krankheitsgefühl („epidemisches Erbrechen"). Die Infektiosität ist sehr hoch, dabei spielen neben Speisen oder Getränken direkte Kontakte von Mensch zu Mensch eine größere Rolle als bei anderen Darminfektionen. Daraus ergibt sich eine besondere Bedeutung dieser Infektionen für Gemeinschaftseinrichtungen, in denen sie sich rasch ausbreiten können.
Die Inkubationszeit beträgt 12 bis 48 Stunden. Personen scheiden das Virus während der akuten Erkrankung und mindestens bis zu 48 Stunden (bis zu 10 Tage nach Krankheitsbeginn) nach Beendigung der Symptome aus.
Salmonellose
Bei Infektionen mit Salmonellen kommt es zu plötzlichem Unwohlsein und Übelkeit und später zu Erbrechen, Bauchschmerzen und Durchfällen. Die Erkrankung dauert in der Regel zwei bis fünf Tage. Die Betroffenen haben häufig Fieber.
Der Kontakt zu Salmonellen ist möglich durch indirekten Kontakt mit erkrankten Menschen oder durch verunreinigte Lebensmittel. Oft finden sich Salmonellen bei häufig wieder aufgewärmten Speisen oder nicht durchgegarten Nahrungsmitteln, z.B. Geflügel, Eier, Mayonnaise, Salate, Süßspeisen oder Milchprodukten. Die Salmonellenenteritis ist eine häufige Darminfektion. Trotz Meldepflicht ist mit einer hohen Dunkelziffer zu rechnen.
Typhus/ Paratyphus
Typhus und Parathyphus sind schwere Infektionen durch Bakterien (spezielle Salmonellen), die durch verschmutztes Wasser und Nahrungsmittel in den Körper gelangen. Die Infektionshäufigkeit ist besonders in Südost-Asien und Nordafrika erhöht.
Der Krankheitsverlauf ist typisch, häufig geht eine Verstopfung voraus. Die Körpertemperatur steigt allmählich. Der Patient leidet unter Kopfschmerzen und Appetitlosigkeit. In der zweiten Woche tritt Fieber bis zu 40°C auf. Am Rumpf und gelegentlich an Armen und Beinen erscheinen kleine rote Flecken. In der dritten Woche kommt Durchfall hinzu. Eine Therapie ist in jedem Stadium sinnvoll und mit den richtigen Antibiotika möglich, die Einnahme muss auf Verordnung eines Arztes beruhen.
Eine Impfung gegen Typhus ist möglich. Beide verfügbaren Impfmöglichkeiten (Injektion oder Schluckimpfung) sind, wenn richtig angewandt, sicher sinnvoll, wenn Infektionsgefahr besteht und wirken etwa 2-3 Jahre. Die Wirksamkeit einer regelrecht durchgeführten Impfung wird mit ca. 60% angenommen.
Kinderarzt Dr.Voitl
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