|
„Bilderbücher anschauen? Gerne. Geschichten hören, Geschichten erzählen? Immer wieder. Nur selber lesen, das möchte Claudia nicht. In der ersten Klasse, als ihre Freundinnen mit Begeisterung Sätze und Wörter schreiben und erste Bücher lesen, spielt Claudia noch immer am liebsten mit ihrer Puppe. Wir finden das in Ordnung. Schließlich gehört sie in der Schule zu den Besten.
Erst Zweifel kommen uns am Ende des zweiten Schuljahres. Am Abend beherrscht Claudia die Ansage noch perfekt, am nächsten Tag macht sie 15 Fehler. Auch mit acht Jahren liest sie noch nicht einmal Comics, und sie weigert sich standhaft, selbst kleinste Nachrichten zu entziffern. Als Claudias Lehrerin uns darauf aufmerksam macht, dass ihre Lese- und Rechtschreibprobleme durch Teilleistungsschwächen verursacht werden können, waren wir zunächst geschockt. Wir haben durch Tests dann herausgefunden, dass diese Vermutung richtig war. Seitdem geht Claudia einmal in der Woche zu einer Legasthenietrainerin. Ihre Probleme in der Schule haben sich verbessert. Sie macht immer noch viele Fehler, aber ihr Selbstbewusstsein leidet nicht darunter. Mein Mann und ich finden es wichtig, ihr keinen Druck zu machen. Das allerwichtigste ist aber, Geduld zu haben.“
Erfahrungen einer Mutter
Teilleistungen
15 bis 20 Prozent der Schulkinder haben Schwierigkeiten beim Lesen, Schreiben und/oder Rechnen. In jeder Schulklasse sitzen durchschnittlich zwei bis drei legasthenische Kinder, wobei Buben etwas häufiger betroffen sind als Mädchen.
Die Ursache dafür sind in vielen Fällen Teilleistungsschwächen. D.h. dass wichtige Fertigkeiten/Teilleistungen, die beispielsweise für das Lesen, Rechtschreiben oder Rechnen notwendig sind, nicht ausreichend funktionieren oder nicht gut zusammen spielen.
Je früher Teilleistungsschwächen erkannt und durch gezieltes Training vermindert werden, desto leichter kann diesen Kindern das Lesen, Schreiben oder Rechnen beigebracht werden.
Vergleicht man das Kind mit dem Bild eines Baumes so ist all das, was wir im Moment der Begegnung mit dem Kind, also im Hier und Jetzt, in der Gegenwart, an dem Kind beobachten können, die Krone des Baumes. In der Krone macht sich der aktuelle Entwicklungsstand des Kindes sichtbar.
Wie diese Krone entwickelt ist, hängt davon ab, wie sich der Stamm und die Wurzeln entwickelt haben. Und in diesem Bereich des Stammes und der Wurzeln liegen die einzelnen Teilfunktionen oder Teilleistungen, die dann im Zuge der Entwicklung des Kindes, reifen und miteinander in Verbindung treten, damit sich der Baum harmonisch entfalten kann.
Lese-Rechtschreibschwäche und Rechenschwäche sind weder eine Krankheit noch eine Behinderung. Sie sind meist auch nicht auf falschen Unterricht oder zu geringe häusliche Förderung zurückzuführen. Sie treten unabhängig von der Intelligenz in allen sozialen Schichten auf und werden in allen Sprachen gefunden.
Hilfestellung
Der Katholische Familienverband Österreichs hat ganz aktuell die Broschüre „Bin ich wirklich so dumm? Ein Leitfaden zum Umgang mit Teilleistungsschwächen“ herausgegeben.
Sie finden darin die Merkmale von Teilleistungsschwächen, viele anschauliche Beispiele, Tipps und die Beschreibung verschiedener Förder-Methoden. Weiters erhalten Sie ein umfangreiches Adressverzeichnis von Beratungs- und Anlaufstellen.
Die Broschüre kann beim Katholischen Familienverband Österreichs um Euro 6,- zzgl. Versandkosten bestellt werden:
1010 Wien, Spiegelg. 3/9
Tel.: 01/51552-3201
e-mail:
Diese E-Mail Adresse ist gegen Spam Bots geschützt, Sie müssen Javascript aktivieren, damit Sie es sehen können
Diesen Beitrag im Forum diskutieren. (0 Beiträge)
|