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Was Experten dazu meinen
Beim Entwicklungspsychologen Erikson heißt es, dass „der psychosoziale Reifungsprozess eines Kindes in der analen Phase darauf hin abzielt, eine autonome Position zu erlangen, in der es in seinem willkürlich bestimmten Geben und Nehmen mit der Umwelt agieren kann.“
Es ist nach Erikson entscheidend, dass das Kind diese Selbstbeherrschung erreichen kann, ohne sein Selbswertgefühl zu verlieren (Erikson 1950, S.76).
Wie das Sauberwerden von den Eltern verhindert wird
Wenn sich das Kind immer an strenge Vorschriften halten muss und traumatisierenden Einflüssen aus ausgesetzt wird (z.B. mit Schlägen, Angst und Tränen zum „Ziel“ gebracht wird), kann es sich nicht von alleine in Richtung Sauberkeit entwickeln!
Es muss zwangsläufig trotzen, wenn es ständig gestört wird. Es hält den Druck und Zwang von außen nicht aus, andererseits kann es auch noch nicht so sein wie die Erwachsenen.
Dies bedeutet, dass der Wunsch, sauber zu werden, allein im Kinde heranreifen kann. Es lernt selbst, die eigenen Körperfunktionen langsam zu entdecken und zu steuern. Forderungen und Zwang seitens der Erziehenden sind hier fehl am Platz!
Was geschieht eigentlich beim Lulu – Machen?
Die Harnblase ist wie ein kleiner Ballon; er hat eine Öffnung, aus der sich der Harn, der in ihr gesammelt wird, entleert. Die Blasenwand besitzt viele Nervenenden, die sensorisch tätig sind, d.h. sie „spüren“ und melden dem ZNS (zentralen Nervensystem), wann entleert werden muss, d.h. wann die Spannung der Blasenwand bereits groß genug ist. Es wird also der innere Schließmuskel der Harnblase geöffnet, und der Harn fließt hinaus. Dies geschieht reflektorisch.
Beim kleinen Baby sind die Windeln deswegen so oft nass, weil bei ihm bereits eine geringe Spannung der Blasenwand genügt, um diesen Reflex auszulösen.
Der erste Schritt in Richtung Sauberkeit...
Ist ein kleiner, aber sehr wesentlicher, nämlich, überhaupt erst wahrzunehmen, dass die Blase voll ist. Das klingt leichter, als es ist!
Denn das Kind erhält nicht nur eine, sondern unzählige Meldungen aus dem Körperinneren und – äußeren, wie z.B. taktil – kinästhetische (Berührung), das Warmwerden der Windel beim Einnässen oder aus dem Bereich zwischen Windel und unserem wichtigsten Tastorgan überhaupt, der Haut!
Wenn wir Eltern und diese Problematik erst einmal vor Augen führen, werden wir schon leichter einsehen, warum manche Kinder „so lange brauchen“, um sauber zu werden.
Der zweite Schritt...
Ist die Beherrschung des äußeren Blasenschließmuskels. Das bedeutet, dass das Kind fähig sein muss, aus eigener Kraft diesen Muskel für gewisse Zeit verschlossen zu halten. Experten meinen dazu, dass dies erst in einem bestimmten physiologischen Reifestadium des Kindes möglich ist, und dies ist eben von Kind zu Kind verschieden.
Lassen Sie sich also keineswegs durch Äußerungen aus Ihrer Umwelt, wie z.B. „Na, Ihr Kind ist ja schon so groß und noch immer nicht sauber!“, verunsichern. Viele Kinder werden nur darauf dressiert, auf `s Topfi zu gehen, obwohl sie in ihrer Entwicklung noch keineswegs so weit sind.
Dabei üben die Eltern großen Druck auf ihren Sprössling aus, oft mit dem Mittel der Belohnung bzw. Bestrafung. Dem Kind wird also vermittelt, dass es nur so einer Strafe entgehen kann, wenn es brav auf seinem Topf sitzt.
Tipps für das Sauberwerden
- Lassen Sie in Ihrem Kind selbst den Wunsch reifen, sauber werden zu WOLLEN!
- Kinder ahmen gerne die „Großen“ nach, und sie wollen auch einmal so werden wie sie.
Das bedeutet, sie wollen ihre Windeln weghaben. Das ist die wesentliche Ursache für die Kinder, von sich aus den Wunsch zur Sauberkeit zu entwickeln.
- Das Kind muss sehen, dass es von sich aus, nicht durch den Druck von außen, etwas leistet. Dann ist es auch gerne gewillt, sein Produkt wegzuspülen. Erkennen Sie die Bereitschaft des Kindes, nötigen Sie es nicht dazu!
- Kinder haben oft Angst vor dem Gedanken, etwas „hergeben“ zu müssen, was vorher in ihnen war. Erklären Sie Ihrem Kind, dass nur etwas ausscheidet / abgibt, was es vorher auch aufgenommen hat: Nur das, was vorher „oben hereingekommen ist, geht unten wieder heraus“. So verliert das Kind die Angst, dass es etwas von sich Selbst hergeben muss.
- Lassen Sie Ihr Kind immer wieder nackt herumlaufen, v.a. im Sommer, es gewinnt so früher Wissen über seine Verdauungsprozesse, ohne in ein lästiges Windelpaket eingeschnürt zu sein (Tipp: Wegwerf – Bodenbelag im Kinderzimmer).
- Kinder brauchen Rituale.
Für ein Kind ist also das Ausscheiden ein Abschiednehmen von einem Teil des Selbst, und ein Abschiednehmen fällt immer leichter, wenn man es in ein Ritual umwandelt.
Nehmen Sie Ihr Kind, und sprechen Sie z.B. über die Figuren, die sich im Kot finden können. Erzählen Sie ihm eine Geschichte (muss ja nicht lang sein)!
Bleibt mir nur noch übrig, Ihnen und Ihrem Kind viel Glück auf dem mühsamen Weg zum Sauberwerden zu wünschen.
Und wenn es einmal in die Hose geht, dann bitte nicht gleich resignieren. Bis jetzt haben wir alle den Weg zum Klo geschafft!
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