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Emil Leander ,..märzkindchen---1.3.08


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Geschrieben von Dr. Birgit Leyendecker   

Langfristige Ziele und Wünsche: Wie soll mein Kind einmal werden? 

„Was mal aus ihr wird, da bin ich relativ offen.“
„Es ist zwar mein Kind, aber er ist auch irgendwo nicht meins, also...er ist sich sein eigener Besitz...“
„...Irgendwie fühle ich mich schon fast schuldig, wenn ich überhaupt sage, ich finde am besten, wenn er so oder so wird...“

Wünsche für mein KindDiese Antworten gaben Eltern auf die Frage, was sie sich für die Zukunft ihres Kindes wünschen. Zunächst hören sich dies so an, als ob sie für alles offen wären und ihrem Kind keine Vorgaben machen wollten. Ist dies wirklich so?
Ich sage nein: Alle Eltern haben Vorstellungen und Wünsche zur Entwicklung ihrer Kinder – auch dann, wenn sie, wie dies die Antworten der Eltern oben zunächst nahe legen, das Gegenteil anstreben und vorhaben, ihren Kinder ein Höchstmaß an Selbstbestimmung einzuräumen.

Zwischen Selbstverwirklichung und Einbindung in die Familie
Die amerikanische Psychologin Robin Harwood hat zahlreiche Interviews mit Eltern aus verschiedenen Kulturen durchgeführt. Sie unterscheidet bei den Eltern zwischen zwei unterschiedlichen Orientierungen. Eltern beispielsweise auf der Karibikinsel Puerto Rico wünschen sich vor allem, dass ihre Kinder familienbewusst sind, sich in die Familie einpassen und nach den Wünschen der älteren Familienmitglieder richten. Alles was das Kind macht, auch später beruflich, soll der (erweiterten) Familie zu Gute kommen. In den westeuropäischen Ländern ist - ebenso wie zum Beispiel in den USA – diese Orientierung anders; Familie und eine gute Beziehung innerhalb der Familie wird als wichtig erachtet, jedoch betonen die meisten Eltern, dass sie gerne möchten, dass ihr Kind seine Talente und Fähigkeiten entwickelt, selbstbewusst und unabhängig wird. Dementsprechend geben sich viele Eltern schon von der frühen Kindheit an große Mühe, das Kind zu fördern.

Was jedoch sind die Ziele der Kinder?
Was sind jedoch die Wünsche der Kinder, und wie können diese mit den Wünschen der Eltern in Einklang gebracht werden? Grundsätzlich gilt: Vorgaben hinsichtlich sozialer und moralischer Werte sind wichtig und sinnvoll, denn sie ermöglichen dem Kind eine Orientierung darüber, was richtig und was falsch ist.

Das Werk der Eltern fortsetzen
Bewusst oder unbewusst haben Eltern aber oft die Vorstellung, dass Kinder ihr berufliches und privates Leben so ausrichten sollen, dass das Werk der Eltern fortgesetzt werden kann. Hier ist es jedoch wichtig, den Kindern Raum zu lassen, ihre eigenen Interessen zu verfolgen und ihren eigenen Weg zu finden. Eine Kontinuität in den Lebenswerken, -formen und Werten muss passen.
Manche Kinder sind glücklich, den Handwerksbetrieb des Vaters oder die Anwaltskanzlei der Mutter zu übernehmen, während dies für andere einfach nicht auf Gegenliebe trifft und keine Perspektive darstellt.
Das Gleiche gilt für Lebensformen und Werte – viele Eltern sind unglücklich, wenn ihre Kinder, statt eine Familie zu gründen, sich als Single wohler fühlen, oder wenn sie andere religiöse, politische oder moralische Werte als wichtig erachten. Eltern müssen sich also damit abfinden, dass ihre Kinder nicht unbedingt für Kontinuität in den Familientraditionen stehen, sondern dass hier auch Neues entstehen kann.

Das erreichen, was die Eltern nicht geschafft haben
Darüber hinaus gibt es aber auch bei Eltern oft den bewussten oder unbewussten Wunsch, dass ihre Kinder das schaffen und verwirklichen sollen, was sie selber nicht erreicht haben beziehungsweise was ihnen durch äußere Umstände verwehrt wurde. Neben dem gewünschten sozialen Aufstieg („Ich konnte damals nicht studieren, aber mein Sohn soll auf jeden Fall die Uni besuchen“) sind dies oft kleinere Wünsche und Träume, die die Eltern sich selber nicht erfüllen konnten und die ihre Kinder jetzt umsetzen sollen („Meine Eltern konnten sich kein Klavier leisten, aber wir haben jetzt eins, und mein Sohn soll unbedingt Klavierspielen lernen“ oder „Ich habe damals zu früh geheiratet und nie meine Freiheit als junger Mensch so richtig genießen können. Das sollen meine Kinder auf jeden Fall anders machen.“).

Das Entwerfen und Verwirklichung eigener Ziel ist eine wichtige Entwicklungsaufgabe
Während der Wunsch der Eltern nach einem besseren Leben für ihre Kinder verständlich und sinnvoll ist, müssen sie jedoch auch darauf achten, in wieweit ihre Wünsche den Kindern entgegenkommen und ihnen entsprechen.
Genauso, wie Eltern Erziehungsziele für ihre Kinder haben, entwickeln Kinder auch Ziele für ihr eigenes Leben, und diese werden sicherlich nur teilweise mit den Zielen der Eltern übereinstimmen. Die Entwicklung von eigenen Lebenszielen, die den Kindern bzw. den Jugendlichen oder jungen Erwachsenen in ihrer jeweiligen Lebensphase entsprechen, ist jedoch eine wichtige Entwicklungsaufgabe für Heranwachsende. Die Verfolgung von selbstentwickelten Lebenszielen ist erfolgsversprechender als die Verfolgung von Zielen, die primär den Wünschen der Eltern entsprechen, für die jedoch wenig Eigenmotivation vorhanden ist.
Eltern sind hier als Berater gefragt und gefordert, sie sollten gute Berater sein, zuhören und sich in den Anderen hineinversetzen. Eltern müssen also lernen, die Lebensziele, die sie für ihre Kinder vor Augen haben, zurückzustecken, ihren Kindern Raum lassen und Ziele, die die Kinder selber entwickeln, zu akzeptieren.

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