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Geschrieben von Sigrun Rux   

Artikel: "Mein Kind ist chronisch krank"Sie stellen die üblichen "Kinderkrankheiten" in den Schatten: Chronische Beschwerden wie Rheuma oder Migräne können auch schon den Kleinsten zu schaffen machen. Das Problematische dabei: oft werden die Symptome lange Zeit nicht erkannt und erst viel zu spät ernst genommen.

Sie stellen die üblichen "Kinderkrankheiten" in den Schatten: Chronische Beschwerden wie Rheuma oder Migräne können auch schon den Kleinsten zu schaffen machen. Das Problematische dabei: oft werden die Symptome lange Zeit nicht erkannt und erst viel zu spät ernst genommen. 

Rheuma bei Kindern.

Rheuma gehört zu den Krankheiten, die immer noch fälschlich mit Erwachsenen oder älteren Menschen in Zusammenhang gebracht werden. Doch allein in Wien gibt es jährlich 50 neue Fälle von rheumatischen Erkrankungen bei Kindern und Jugendlichen.

Kopffuessler von DaniJe nachdem welche Gelenke erkrankt sind, fällt auf, dass die Kinder hinken, "anders" greifen und Schwierigkeiten beim Essen, Schreiben, Anziehen oder anderen Alltagsbewegungen entwickeln. Vorsicht ist geboten, wenn sie auf einmal ohne ersichtlichen Grund ungeschickt wirken, weniger laufen und viel getragen werden wollen. Bei einer Gelenksentzündung (Arthritis) im Kleinkindalter besteht die Gefahr, dass die motorische Entwicklung gestört wird. Da die betroffenen Kinder in ihrem Bewegungsdrang oft eingeschränkt sind und nicht überall „mitmachen“ können, sind schließlich sogar psycho-soziale Störungen möglich. Doch die Diagnose einer rheumatischen Erkrankung ist nicht einfach: weder Laboruntersuchungen noch Röntgenbilder liefern eindeutige Ergebnisse. Deshalb sind unter Umständen viele Untersuchungen erforderlich, bevor die Krankheit festgestellt werden kann.

"Prinzipiell unterscheidet man die akuten rheumatischen Erkrankungen, die hauptsächlich durch Infektionen ausgelöst werden und chronische Gelenksentzündungen", erklärt Dr. Ingrid Pilz, Kinderrheumatologin am Wiener Preyer'schen Kinderspital. "Man geht davon aus, dass sämtliche rheumatische Erkrankungen durch eine Immunschwäche ausgelöst werden, die bewirkt, dass plötzlich das eigene Gewebe angegriffen wird", erklärt Pilz. Die genaue Ursache ist aber bisher ungeklärt.

Österreichweit erkranken 8 von 100.000 Kindern an Rheuma, etwas mehr als die Hälfte davon werden wegen chronischer Gelenksentzündungen behandelt. Als wirklich ernsthafte Erkrankung gilt die sogenannte Juvenile Ideopathische Arthritis (JIA), eine Form der Gelenksentzündung im Kindesalter, die schwere Folgen haben kann. In 50% der Fälle verzeichnet man bleibende Schäden an Herz, Lunge oder Nieren, wenn es nicht gelingt die Krankheit frühzeitig in den Griff zu bekommen. In einigen Fällen werden auch die Augen befallen, was bis hin zur Blindheit führen kann. Bei manchen Kindern bleibt die Arthritis auf wenige Gelenke beschränkt, meist sind jedoch viele große und kleine Gelenke betroffen (Knie, Hüfte). Neben einer erblichen Veranlagung spielen auch vorangegangene Infektionen oder Stress eine Rolle.

Die Alarmglocken sollten bei den Eltern auf jeden Fall läuten, wenn (auch beim Kleinkind) hohes Fieber auftritt, das über mehrere Wochen vor allem morgens und nachmittags immer wiederkehrt und auf die Behandlung mit Antibiotika nicht anspricht. Teilweise sieht man einen Hautausschlag, der oft fälschlich als Allergie interpretiert und behandelt wird. Wenn bei Ihrem Kind derartige Symptome gehäuft auftreten, ist es sinnvoll nach Ausschluss anderer Diagnosen einen Rheumaspezialisten aufzusuchen. Je früher die Krankheit erkannt und behandelt wird, desto besser sind die Heilungschancen.

Rechtzeitige Therapie

Ohne Medikamente geht es jedoch leider nicht: zunächst werden fiebersenkende, entzündungshemmende Mittel verabreicht. Wenn erforderlich, bekommt der kleine Patient Kortisoninjektionen direkt in die Gelenke. Dadurch werden die riskanten Nebenwirkungen einer Kortisontherapie, wie zum Beispiel schwerwiegende Wachstumsstörungen, so gut wie ausgeschaltet. Ergänzt wird die Therapie durch physikalische Behandlungsformen (Kältebehandlung, Ergotherapie). Im Sinne der ganzheitlichen Behandlung sollte bei rheumaerkrankten Kindern auch eine regelmäßige spezielle Augenuntersuchung erfolgen, da die Regenbogenhaut durch die Entzündung ebenfalls stark in Mitleidenschaft gezogen werden kann.

Rheumakranke Kinder sind nicht nur mit Schmerzen und körperlichen Einschränkungen konfrontiert, auch psychische Belastungen dürfen nicht außer Acht gelassen werden. Oft zweifelt die Umwelt an der Glaubwürdigkeit der betroffenen Kinder. Manchmal wird die Erkrankung auch einfach als “harmlos” abgetan - wer denkt denn schon an Rheuma bei Kindern, besonders wenn Krankheitszeichen äußerlich nicht oder noch nicht sichtbar sind. Es kommt immer wieder vor, dass rheumakranke Kinder in der Früh wegen Morgensteifigkeit kaum aufstehen können, zwei Stunden später aber wieder fit sind. Zusätzlich stehen sie durch ihre Erkrankung auch im Alltag unter Druck, da regelmäßige Arztbesuche, Krankengymnastik und physikalische Therapieeinheiten in den Tagesablauf einbaut werden müssen. Gemeinsam mit dem Roten Kreuz unterstützt und organisiert die österreichische Gesellschaft für rheumakranke Kinder nun schon seit 20 Jahren in Warmbad Villach ein Ferienlager. "Die Freizeitgestaltung unter ihresgleichen ist eine Wohltat für viele betroffene Kinder und Jugendliche", betont Dr. Pilz.

Oft verkannt: Migräne

Vorbei sind die Zeiten, wo Migräne noch als typisches Frauenleiden, die sogenannte "gute Ausrede", belächelt wurde. "Auch Kinder können unter Kopfschmerzen leiden, die so stark sind, dass sie behandelt werden müssen", berichtet Dr. C. Wöber-Bingöl, Leiterin der bisher einzigartigen Kopfschmerzambulanz für Kinder und Jugendliche im Wiener AKH. Erste Anzeichen können sogar schon im Kleinkindalter beobachtet werden. „In den letzten Jahren waren es um die 2000 Migränepatienten im Kindesalter“, ergänzt die Expertin. Obwohl die Krankheit als ungefährlich eingestuft wird, braucht wohl nicht erwähnt zu werden, welche Konsequenzen Migräneattacken für die Lebensqualität der jungen Menschen bedeutet.

Wenn Kinder häufig über Kopfschmerzen oder Übelkeit klagen, sollten diese Symptome von den Eltern unbedingt ernst genommen werden. Bei Kindern äußert sich Migräne außerdem meistens anders als bei Erwachsenen. So können zum Beispiel zeitliche und räumliche Desorientierung, Schwindelanfälle, Störungen im Bewegungsablauf oder Sehstörungen auftreten. Die Kinder berichten auch von sonderbaren Erscheinungen: sie empfinden ihren Körper als lang und dünn oder sie haben das Gefühl, den ganzen Raum auszufüllen. Erinnert das nicht ein bisschen an "Alice im Wunderland" ? Tatsächlich geht eine Reihe von Interpretationen in die Richtung, dass die bedauernswerte Alice unter Migräneattacken litt. Auch heutzutage werden solche Symptome von vielen Eltern zumeist nicht als Krankheitssymptome gedeutet, sondern als reine Fantasie abgetan. Bei Kindern sind zwar die Kopfschmerzen nicht immer so ausgeprägt, dafür machen sich Bauchschmerzen begleitet von starker Übelkeit mit Erbrechen bemerkbar. Nach der Pubertät kommt es oft spontan zu einer deutlichen Besserung oder zum Verschwinden der Migräne.

Medikamente sind nicht unbedingt am besten geeignet, meint Dr. Wöber-Bingöl. Allerdings erzielen auch homöopathische Mittel bei Migräne keine nachweisliche Wirkung, berichtet die Neurologin von den neuesten Studien. Erfolge bei der Migränetherapie bei Kindern konnten hingegen durch Akupunktur oder die Methode des Biofeedbacktrainings, einer Entspannungstherapie, verzeichnet werden. Da auch Kinder während der Migräneattacken unter Lärm -und Lichtempfindlichkeit leiden können, ist es ratsam, sie in einem ruhigen, verdunkelten Raum schlafen zu lassen, dadurch erholen sich die Kinder meistens relativ rasch. Auch das Erbrechen sollte nicht unterdrückt werden, da es zu einer deutlichen Erleichterung der kleinen Migränepatienten führt und sie sich danach wohler fühlen. Im allgemeinen können Stressvermeidung, ausreichende Ruhe und Entspannung sowie Reizabschirmung als vorbeugende Maßnahmen gegen kindliche Migräneanfälle genannt werden.

Sigrun Rux

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